Christiane Neubaur - Trailer 2026
Trailer-Standbild Christiane Neubaur — Circle of Experts 2026

In Kürze

Worum geht es in dem Podcast?

Dr. Christiane Neubaur, Apothekerin und Geschaeftsfuehrerin des Verbands der Cannabis versorgenden Apotheken (VCA), zieht im Trailer zum Circle of Experts 2026 eine erste Zwischenbilanz zur Versorgungsrealitaet zwei Jahre nach Inkrafttreten des Cannabisgesetzes (CanG). Die Herausnahme aus dem Betaeubungsmittelgesetz hat den Dokumentationsaufwand fuer Apotheken und verschreibende Aerzte spuerbar verringert und den Zugang zu medizinischem Cannabis erleichtert. Gleichzeitig zeigt sich ein deutlicher Anstieg von Privatverschreibungen, die zunehmend ueber telemedizinische Plattformen ausgestellt werden.

Die Kernthese ihres Beitrags: Telemedizin ist als Versorgungsinstrument unverzichtbar, weil flaechendeckend zu wenig verschreibende Aerztinnen und Aerzte vor Ort verfuegbar sind. Entscheidend ist jedoch die Seriositaet des Prozesses. Rezepte, die ausschliesslich auf Basis eines Online-Fragebogens und ohne tatsaechliches aerztliches Gespraech entstehen, sind aus ihrer Sicht ungueltig und sollten von Apotheken nicht beliefert werden. Besonders heikel wird es bei Verschreibungen durch Aerztinnen und Aerzte aus dem europaeischen Wirtschaftsraum, die fuer deutsche Aufsichtsbehoerden kaum greifbar sind. Neubaur ruft Apothekerinnen und Apotheker dazu auf, in Zweifelsfaellen Approbationen aktiv zu hinterfragen und anzufordern.

Ein zweiter Strang ihres Vortrags adressiert die strukturelle Trennung zwischen Patientenversorgung und Konsumentennachfrage. Dass sich erwachsene Konsumentinnen und Konsumenten ueber den Umweg Telemedizin via Apotheke versorgen, war nie Sinn des Gesetzes. Neubaur plaediert dafuer, eigene Zugangswege fuer Konsumenten zu schaffen und Apotheken als kompetente Schnittstelle einzubinden: fuer Aufklaerung, Beratung, Harm Reduction, Jugendaufklaerung und Praevention. Die fachliche Kompetenz sei vorhanden und muesse nicht erst aufgebaut werden. Der Beitrag liefert damit eine pharmazeutische Innenansicht der aktuellen Debatte und einen konkreten Handlungsvorschlag fuer die naechste regulatorische Etappe.

Drei Formate an einem Tag - der Circle of Experts

Mann hält Vortrag über Cannabis im Alter vor Publikum im Hotelkabinett.

Fachvorträge

Klinische Praxis aus Schmerz- und Palliativmedizin, Neurologie, Pharmakologie, Pflege und Apotheke. Kurze Slots, hoher Praxisbezug, Q&A direkt im Anschluss.

Frau mit Mikrofon spricht bei einem Treffen, umgeben von anderen Zuhörern in einem Büro.

Fachdiskussionen

Moderierter Austausch zwischen Klinik, Praxis, Apotheke und Pflege. Themen werden vorab gesammelt und gemeinsam priorisiert.

Frau mit Brille in Gespräch mit einem Mann, der eine Wasserflasche hält, in lockerer Umgebung.

Netzwerken

Klinik, Praxis, Apotheke und Pflege kommen in kleinen Tischrunden gezielt miteinander ins Gespräch, vertiefen Kontakte aus dem Tagesprogramm und knüpfen neue Verbindungen.

Die Fachexpert:innen

Klinik, Forschung, Apotheke und Pflege — die Sprecher:innen kommen aus den Bereichen, in denen Medizinalcannabis täglich angewendet wird.

Portrait von Prof. Dr. mult. Eckhard Nagel

Prof. Dr. mult. Eckhard Nagel

Prof. Dr. mult. Eckhard Nagel ist Geschäftsführender Direktor des Instituts für Medizinmanagement und Gesundheitswissenschaften an der Universität Bayreuth. Im Circle of Experts beleuchtet er ethische Aspekte der Medizinalcannabis-Therapie und plädiert für realweltliche Studien.

Arzt/Ärztin
Portrait von Prof. Dr. med. Thomas Herdegen

Prof. Dr. med. Thomas Herdegen

Prof. Dr. med. Thomas Herdegen ist Facharzt für Pharmakologie und Toxikologie, langjähriger stv. Leiter des Instituts für Experimentelle und Klinische Pharmakologie am UKSH Kiel. Mitautor der Praxisleitlinie Cannabis und Träger des Deutschen Schmerzpreises 2024.

Arzt/Ärztin
Portrait von Dr. med. Dipl.-Chem. Konrad F. Cimander

Dr. med. Dipl.-Chem. Konrad F. Cimander

Dr. med. Dipl.-Chem. Konrad F. Cimander ist Facharzt für Allgemein- und Suchtmedizin, leitet das Kompetenzzentrum K.C.M. Hannover für Cannabismedizin und ist Präsident der Deutschen Medizinal-Cannabis-Gesellschaft (DMCG). Lehrbeauftragter zu Suchtmedizin, Psychopharmakologie und Cannabismedizin.

Arzt/Ärztin
Portrait von Prof. Dr. med. Kirsten Müller-Vahl

Prof. Dr. med. Kirsten Müller-Vahl

Prof. Dr. med. Kirsten Müller-Vahl ist Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie an der MHH und 1. Vorsitzende der ACM und IACM. Sie leitet randomisierte kontrollierte Studien zu Cannabinoiden bei Tourette-Syndrom und Tic-Störungen.

Arzt/Ärztin
Portrait von Prof. Dr. Sven Gottschling

Prof. Dr. Sven Gottschling

Prof. Dr. med. Sven Gottschling ist Chefarzt des Zentrums für altersübergreifende Palliativmedizin und Kinderschmerztherapie am Universitätsklinikum des Saarlandes. Über 25 Jahre Erfahrung mit Cannabis-Verordnungen in Palliativ- und Schmerztherapie.

Arzt/Ärztin
Portrait von Dr. Christiane Neubaur

Dr. Christiane Neubaur

Dr. Christiane Neubaur ist Apothekerin und Geschäftsführerin des Verbands der Cannabis versorgenden Apotheken (VCA). Sie moderiert die Podcasts „VCA Hanf Gespräch“ und „ArztCann“ und ist Co-Autorin des Sachbuchs „Cannabis – Heilkraft der Natur“.

Arzt/Ärztin
Portrait von Dr. med. Matthias Giesel

Dr. med. Matthias Giesel

Dr. Matthias Giesel ist Facharzt für Anästhesiologie und leitet die Schmerzklinik am Marienkrankenhaus Soest sowie die Praxis für Schmerztherapie und Palliativmedizin im Hospitalverbund MVZ Soest. Beratertätigkeit für die Pharmaindustrie zu Medicinal Cannabis.

Arzt/Ärztin

Dr. med. Daniel Huse

Dr. med. Daniel Huse ist Facharzt für Anästhesiologie mit Schwerpunkten Schmerztherapie, Palliativ- und osteopathische Medizin. In seiner Einzelpraxis in Remagen ist medizinisches Cannabis seit 2017 fester Bestandteil der Behandlung chronischer Schmerzen.

Arzt/Ärztin

Johannes Hoffmann

Johannes Hoffmann ist Apotheker und Gründer der Alle Farben Apotheke (Schreibersche Apotheke Melle), spezialisiert auf medizinisches Cannabis mit Blüten, Extrakten und galenischen Spezialrezepturen – insbesondere für den Palliativbereich.

Apotheker/Apothekerin

Sascha Saßen

Sascha Saßen ist Diplom-Pflegewirt, Schmerzexperte (CEKIP) und seit April 2025 CEO der hesena Gruppe. Im Circle of Experts referierte er zu Schmerzmanagement in der stationären Langzeitpflege und zum Arzneimittelprozess in Pflege- und Palliativversorgung.

Geschäftsführung

Nicolas C. Enriquez

Nicolas C. Enriquez ist Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger sowie Dozent für pflegefachliche Berufe. Mit Master in Health Care Administration berät er freiberuflich zu klinischer Forschung und evidenzbasierter Anwendung von Medizinalcannabis.

Pflegekraft

André Ihlenfeld

Dr. André Ihlenfeld ist Facharzt für Anästhesiologie und Schmerzmediziner sowie medizinische Leitung bei Copeia, wo er Projekte zur patientenbezogenen Datenerfassung unter Cannabistherapie verantwortet (u.a. Physicians Experience Platform). Co-Autor von Publikationen zu Cannabisarzneimitteln.

Arzt/Ärztin

Weitere Informationen

  • [00:07] — Cannabis aus dem BtMG: Vereinfachung fuer Apotheken und Aerzte seit ueber zwei Jahren.
  • [00:33] — Rezept nur aus Fragebogen ohne aerztliches Gespraech ist ein ungueltiges Rezept.
  • [01:14] — Bei unbekannten EWR-Aerzten Approbation hinterfragen und anfordern.
  • [02:30] — Qualitaet definiert sich nicht durch physischen Kontakt, sondern durch das Gespraech.
  • [03:23] — Apotheken koennen Aufklaerung, Beratung, Harm Reduction und Praevention sofort leisten.

Gucken wir uns doch mal an, was ist denn passiert seit der Verabschiedung des CanG? Cannabis wurde ja aus dem BtMG herausgenommen. Seit ueber zwei Jahren haben wir das jetzt, und es hat fuer uns natuerlich eine Vereinfachung gebracht, auch fuer die Aerzte. Der Dokumentationsaufwand ist insgesamt geringer geworden. Was wir natuerlich haben, ist ein starker Anstieg von Privatverschreibungen. Das werden Sie mit Sicherheit alle festgestellt haben.

Nur ganz kurz zusammengefasst: Wenn Ihnen bewusst ist, dass ein Rezept nur aufgrund eines Fragebogens entstanden ist, ohne ein telemedizinisches Gespraech mit einem Arzt, dann ist das eigentlich ein ungueltiges Rezept. Wenn Sie davon Kenntnis haben, dass das so ist, sollten Sie dieses Rezept nicht beliefern. Und ja, eventuell sagen Sie: Okay, von dem Arzt habe ich noch nie etwas gehoert, weil der irgendwo aus dem europaeischen Wirtschaftsraum kommt und Sie vielleicht nicht einmal den Namen aussprechen koennen. Dann duerfen Sie natuerlich hinterfragen: Existiert da ueberhaupt eine Approbation? Um sich rueckzuversichern, koennen Sie diese Approbation auch anfordern.

Verstehen Sie mich nicht falsch: Die telemedizinischen Plattformen brauchen wir, weil wir einfach viel zu wenig Aerzte vor Ort haben, die versorgend oder verschreibend taetig sind. Ohne die werden wir nicht auskommen. Aber bitte serioes gemacht, sodass wir uns in der Apotheke darauf verlassen koennen, dass dieses Rezept rechtmaessig und sauber zustande gekommen ist. Das ist fuer uns wichtig, und das ist einfach ganz normale aerztliche Verantwortung, der man nachkommen sollte. Eigentlich braeuchte ich gar nicht darueber sprechen, wenn es nicht leider doch auch anders liefe. Das sind oft Aerzte, die im europaeischen Wirtschaftsraum sitzen und so vielleicht gar nicht greifbar sind fuer unsere Aufsichtsbehoerden.

Ganz wichtig ist mir: Qualitaet definiert sich nicht durch den Inhalt des aerztlichen Kontaktes. Es ist nicht wichtig, dass der Patient physisch da ist, es sei denn, es muessen Untersuchungen stattfinden, sondern das Gespraech ist entscheidend. Es war natuerlich nicht Sinn dieser ganzen Sache, dass sich Konsumenten ueber den Umweg Telemedizin ueber die Apotheke versorgen muessen. Wir muessen einfach andere Zugangswege schaffen, auch fuer Konsumenten, um wieder eine klare Trennung zu erreichen zwischen Patienten und Konsumenten. Das ist ja auch das, was gerade der Politik so aufstoesst, dass sie sagt: Naja, gerade bei den Blueten sind ganz viele Konsumenten dabei.

Das ist wichtig, denn wenn das jemand kann, sind wir das in der Apotheke. Wir koennen aufklaeren, wir koennen beraten, wir wissen, was wir tun. Wir machen Harm Reduction, Jugendaufklaerung, Praevention. All das koennen wir von jetzt auf gleich starten, weil wir es einfach koennen. Es muss nicht angelernt werden, das ist Fachwissen. Daher waere das ein Vorschlag. Es waere einfach schoen, wenn es in diese Richtung der Oeffnung gehen wuerde, sodass wir in der Apotheke weiterhin stabil dabei sind.